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Am 23. Januar 2009 habe ich für einen Freund uns insbesondere für seine Familie und seinen Freunden die Trauerrede gehalten.

Eine schwere Bürde, die mich aber auf besondere Art und Weise hat Abschied nehmen lassen, von diesem außergewähnlichen Menschen.

 

 

Lutz Lohs

 

Musik: Adagio von Händl

 

Barmherziger Vater,

aus Deiner Gnade leben wir,

und was unser ist, das haben wir

aus Deiner Hand empfangen.

Dafür sind wir dankbar.

Wir bitten Dich: Schenke uns

heute einen Tag, an dem wir

etwas von dem, was wir von Dir

bekommen haben, an andere

weitergeben können.

 

Amen.

 

Liebe Gertraut, lieber Harald, liebe Heli, liebe Verwandte und Freunde von Lutz Lohs,

 

Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Das erkannten schon große Philosophen. ... Und manchmal endet es so, wie es begann. Von Staub bist Du genommen und zu Staub wirst Du wieder werden, sagt der unbekannte Verfasser des Buches Genesis und er erzählt uns jene Legende von der Schöpfung des Menschen. Kaum geschaffen wird der Mensch jedoch vertrieben aus jenem Reich, wo es Gut und Böse gibt, in ein Reich der Erkenntnis von Gut und Böse. Und wenn wir die Welt um uns betrachten, so liegt vielleicht gerade hierin jenes Körnchen Wahrheit, dass man in jeder Legende finden kann. Wir entwickeln uns gesetzmäßig aus einem Knäuel Erbsubstanz und kaum haben wir das Licht der Welt erblickt, so bewegen wir uns allmählich vom gesetzmäßigen Wollen zum Sollen. Gemessen an der Distanz der Schöpfung unserer Erde, dem heutigen Sein und der Unendlichkeit des Kommenden, sind die Lebensabschnitte eines Einzelnen ein Sandkorn in der Wüste

 

Wenn die Distanz zwischen dem Knäuel Erbsubstanz und dem gesetzmäßigen Sollen jedoch abrupt verkürzt wird, dann beginnen wir, die Hinterbliebenen, die, die trauern, zu hadern.

 

Wir empfinden, jeder von uns auf seine besondere Art und Weise, eine Ungerechtigkeit des Lebens, eine Ungerechtigkeit, da wir einen Menschen verloren haben, der uns so lieb und so wichtig war. Und wir fragen uns, ... du – lieber Gott; was machst du da eigentlich? Und haben wir das Recht, diese Frage unserem Schöpfer zu stellen?

 

...

 

Ja, die haben wir, denn in unserer Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen, dürfen wir uns gehen lassen, dürfen wir weinen, unserer Trauer Ausdruck verleihen,... denn Gott wird uns dies verzeihen, da er uns dieser Prüfung unterzieht.

 

Und wir haben ein Recht, uns von damit einem geliebten Menschen zu verabschieden.

 

Ein jeder von uns hat seine eigene Religiosität. ... Und - Gott gibt, Gott nimmt, -- ob er damit richtig liegt, macht jeder mit sich selbst aus, ... und wir sind uns alle sicher; ... auch Lutz Lohs hatte seine eigene Form von Religiosität.

 

Lieber Lutz, wo immer du jetzt bist oder sein könntest, wir sagen deinen Namen und wir sehen dich.

 

...

 

Möge ein Jeder die Augen schließen und sich das Bild von SEINEM Lutz vor Augen führen. So, ... wie jeder Lutz kannte, wie man ihn liebte und wie man ihn in Erinnerung behalten möchte, ..... an dem Tag, an dem wir zwar offiziell Abschied nehmen, jedoch nur seine menschliche Hülle verabschieden, und sein Andenken in unser Herz aufnehmen, in dem ihm sein Platz gebührt.

 

Lutz Lohs, Sohn von Gertraut und Harald wurde am 27. August 1960 in Karl Marx Stadt geboren. Um 06:40 Uhr, was ihn wohl stets zu einem Frühaufsteher machte.

 

Wenn Lutz in den Kindergarten gehen sollte wurde er meist prompt krank und hat dadurch sehr viel Zeit bei seinen Großeltern Oma Hilde und Opa Kurt verbracht.

 

 

Einige Jahre nach seiner Einschulung zog Lutz mit seiner Mutter nach Berlin, der Heimat von Lutz über viele schöne und schwere Tage.

 

Ohne, dass wir es wissen, sind wir alle ziemlich sicher, dass seine Schulzeit sicherlich auch geprägt war von allerlei Schabernack, ...eine liebenswerte Eigenschaft, die ihn bis zuletzt begleitet hat.

 

Nach der Schule hat Lutz eine Ausbildung zum Zahntechniker gemacht, was sein Leben intensiv prägen sollte. Da er sich schon recht früh selbständig gemacht hat, brauchte, ... und genoss auch, er die Unterstützung seiner Familie, ... hat aber fleißig am Aufbau seines eigenen kleinen Imperiums gearbeitet. Seine Mutter war ihm dabei auch immer moralische Kraft, Ratgeberin und Freundin.

 

In einem Skiurlaub in Oberwiesental hat er Kerstin kennen und lieben gelernt, die übrigens in Kühlungsborn geboren wurde. Schnell haben sich die beiden verlobt und dann geheiratet.

 

1981 ist für Lutz ein kleiner /--- GROßER Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Sein Wunsch nach einer Tochter wurde ihm mit Heli, .... Helen erfüllt.

 

Ein Mädchen, .. heute Frau, .. der er immer ein Vorbild war. Nicht, weil es sich so gehörte, sondern weil Lutz ;;; Liebe auf besondere Art und Weise geben konnte. Eine Liebe, in der er, väterliche, Bewunderung war der Dank, in einer strengen aber liebevollen Erziehung seine Erfüllung fand.

 

O- Ton Heli: „Die guten Noten habe ich immer Pappa gezeigt und die schlechten meiner Mama.“

 

So hat auch das Jahr von Heli mit Ihrem Vater ihre Essgewohnheiten geprägt, da sie weder ohne Butterbrot aus dem Haus durfte und abends immer ein Pfeffersteak bekam.

 

Alleine seine Arbeit wird uns täglich an Lutz erinnern, ... da alle immer gut mit Zahnersatz versorgt wurden und wir ihm dies durch ordentliches Zähneputzen zurück geben können.

 

 

An dieser Stelle mag mir ein persönliches Wort gestattet sein.

 

An dem Tag, als Lutz nach einem Konzert im Palais am Festungsgraben, Unter den Linden, eines Freundes, durch einen Autounfall und einer einhergehenden Untersuchung seine eigentliche Krankheit erfuhr war ich selbst ein Partner der lustigen Abendgesellschaft.

 

Am 28. Dezember, also vor rund drei Wochen, dem Tag des Verlustes von Lutz, war ich in eben diesem Theater. Und so stehe ich hier voller Ehrfurcht und darf einem Großherz zu Ehren diese Worte an Sie richten.

 

Das tue ich an Stelle derer, die es auch gerne getan hätten, jedoch die Stunde des Abschiedes mit der Schwere der Besinnlichkeit für sich benötigen.

 

Lutz hat sich gewünscht, dass ein Freund hier steht, ... der bin ich im Geiste und voller Bewunderung über einen Menschen, der immer begeistern konnte, mit einer Persönlichkeit unsagbaren Ausmaßes. Einem Menschen, der es geschafft hat, seine eigenen Probleme so in den Hintergrund zu bringen, dass er mit seinem eigenen Leid niemanden belastet hat. Welch eine Größe?

 

Wie viele Enttäuschungen musste Lutz in geschäftlichen oder privaten Beziehungen hinnehmen? Wir wissen nicht, ob seine Krankheit ihn nicht hätte mit Willen und Widerstandskraft hätte weiter leben lassen oder er liebevoll los gelassen hat.

 

...

 

Wir wissen aber, dass ihm eine besondere Art eigen war,.... zu tolerieren, zu verzeihen (nicht immer aber dann berechtigt konsequent) und vor allem ... zu LIEBEN.

 

Ein Umstand, der ihn nicht nur bewundernswert gemacht hat, sondern auch zum Nachdenken anregt.

 

Ich hatte in den letzten Tagen sehr viel Kontakt mit der Familie und auch Holger, Lutz’s wohl intimsten Freund. Dabei bekam ich auch eine email von Heli an Holger in Kopie, aus der ich gerne, abgestimmt mit Heli, vorlesen möchte. Worte, die ein Redner nicht finden kann.

 

„Papa war ein Kämpfer und hat sich nie unterkriegen lassen. Er hat allen eine faire Chance gegeben aber die, die ihn enttäuscht haben, hat er aus seinem Leben gestrichen. Er hat aus allen Situationen das Beste gemacht. Sogar als Parkplatzwächter war er gut drauf und er hat sich nicht unterkriegen lassen.

 

Ich bin froh, dass wir noch zusammen im Urlaub waren. Das war wie eine Abschiedsreise und im Nachhinein glaube ich, er war sich dessen bewusst. Wir hatten eine superschöne Zeit. Unsere Zimmer waren gegenüber, so dass wir uns gegenseitig in die Zimmer gucken konnten. Er hatte immer gepfiffen, wenn es Zeit für Frühstück oder so war. Die letzten Tage haben wir sogar immer im Fitnessstudio verbracht. Er wollte wieder in die Gänge kommen und ist immer 20 Minuten Fahrrad gefahren.. Danach waren wir in der Sauna, Whirlpool und dann Schwimmen. Hatten uns unser Frühstück wohl verdient. Danach waren wir meistens in der Stadt, seine Kette angucken und haben ein paar neue Hosen für ihn gekauft. Er hatte immer viel Wert auf sein Äußeres gelegt und ich musste immer gucken, ob denn sein Po in den Hosen gut aussah. Er meinte, wenn er noch mal zu viel Geld kommt, wolle er sich ein paar Implantate einsetzen lassen. Danach waren wir oft im Hafen von Antalya essen, Lammspieß und mit viel Knoblauch. Und dann haben wir immer noch ein paar Flaschen Wasser ins Hotel geschmuggelt.

 

Das letzte Bild, was ich von ihm gemacht habe, war vor einem Porsche. Autos und Essen waren immer seine Leidenschaft.

 

Papa war einzigartig und hatte einen unglaublichen Humor. Wenn ich seine Urlaubskarten lese, fange ich immer an zu schmunzeln. Ihn gibt es nur einmal und wir werden ihn nie vergessen.

 

Ich vermisse ihn sehr und hoffe, dass er weis, wie stolz ich auf ihn war.

 

Liebe Heli, ... er weis es.

 

Die Selbstverständlichkeit seiner letzten Zeit auf und mit seinem Parkplatz, verbunden mit seinem einzigartigen Humor ist einmalig und auch Vorbild für uns alle.

 

Die Lebensmelodie klingt mal in Dur und mal in Moll. Aber die letzten Werke großer Meister bleiben unvollendet. Die Natur setzt hier den Schlussakkord. Und so löst sich alles in Wohlgefallen auf. Was bleibt ist die Erinnerung.

 

Lieber Lutz, du hast einen großen Platz in unseren Herzen und wir werden dich so in Erinnerung behalten, wie wir dich geliebt haben.

 

 

Musik: You never walk alone, Jhonny Cash

 

Am Grab:

 

Wir geben der Erde zurück, was wieder zu Erde werden soll. Gott spricht zum Menschen, du bist Erde und sollst Erde werden.

 

Erde zu Erde

Asche zu Asche

Staub zu Staub

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

antworten wir getrost,

was immer kommen mag,

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

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